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Objektbeschreibung

Obwohl Picabia sich keinem künstlerischen Dogma verpflichtet fühlen wollte, zeigt „La cuisse“ (Der Schenkel) deutliche Berührungspunkte mit der progressiven Anti-Kunst von DADA, der er zeitweise eng verbunden war. Als Pazifisten aus dem Ersten Weltkrieg hervorgegangen, wehrten sich die Künstler der Bewegung gegen die ästhetische Überhöhung der Maschine und die vermeintlichen Reize des technischen Fortschritts, der kurz zuvor an der militärischen Front zweifelhafte Präsenz bewiesen hatte. Picabia gibt in seiner Zeichnung eine ironische Antwort auf die distanzlose Verherrlichung der Dynamik und auf die Technikeuphorie, die beispielsweise den kriegsgläubigen Futurismus prägte. In kindlich wirkender Strichführung koppelt Picabia die Welt der Maschinen auf frivole Weise mit der weiblichen Anatomie. Einzelne Elemente seiner verspielt-sinnlosen Maschine sind mit zweideutigen, sexuell konnotierten Begriffen bezeichnet. Schon der Titel des Blattes, „Der Schenkel", benennt ein mathematisches Element einer Winkelkonstruktion und zugleich ein Körperteil. Verbunden mit einem Untertitel „Eventail des caresses“ (Spektrum der Zärtlichkeiten) weist die Thematik eindeutig in den Bereich der Erotik. Die verrundlichte und haarartig gestrichelte Hypotenuse eines Dreiecks lagert herrschend („suprême“) über einer phallisch ausladenden „déchargé (entladen)“-Vertikale. Picabia lässt in seinen Maschinenbildern die Mechanik zu einer zweiten, abstrakten künstlerischen Natur erwachsen, indem er auf die Austauschbarkeit des menschlichen Körpers durch Maschinenteile verweist. | Hanna Strzoda