Leo Kestenberg
Objektbeschreibung
Leo Kestenberg (1882–1962) war als Pianist ein Liszt-Virtuose, als Musikkenner künstlerischer Berater der Berliner Krolloper, er engagierte sich in Arbeitervereinen und Gewerkschaften für die Volkserziehung und war seit 1918 zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann als Referent und schließlich als Leiter der Musikabteilung im preußischen Kultusministerium unter Carl Heinrich Becker kulturpolitisch verantwortlich unter anderem für die Neuorganisation der Musikerziehung (vgl. Leo Kestenberg, Musikerziehung und Musikpflege, Leipzig 1921). In seinen Memoiren berichtet er anschaulich von den Porträtsitzungen bei Kokoschka, der von Januar bis Mai 1927 im Haus des im Vorjahr verstorbenen Paul Cassirer in Berlin wohnte. Das Bild zeigt Kestenberg mit energisch zu Fäusten geballten Händen. Im Hintergrund sitzt seine Frau am geöffneten Flügel, davor ist schemenhaft ein Arbeiter angedeutet, der eine Last trägt, „als Symbol meiner Verbundenheit mit der Arbeiterschaft“ (Leo Kestenberg, Bewegte Zeiten, 1961, zit. nach WVZ Winkler/Erling 1995, S. 133). Rechts soll laut Kestenberg das Gebäude der Freien Volksbühne angedeutet sein, für die er künstlerische Veranstaltungen organisierte. 1932 wurde Kestenberg als Jude in den einstweiligen Ruhestand versetzt, 1933 emigrierte er nach Prag, 1938 nach Tel Aviv. | Oliver Seifert