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Objektbeschreibung

Die künstlerischen Anfänge von Gerhard Altenbourg, der eigentlich Ströch hieß und 1955 seinen Künstlernamen in Anlehnung an seinen thüringischen Wohnort Altenburg wählte, standen bis um 1950 im Zeichen der traumatischen Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg, mit denen er als 17-jähriger Soldat konfrontiert worden war und die ihn bleibend prägten. Als Sohn eines evangelischen Predigers hatte er die christliche Ethik verinnerlicht, die im Krieg offensichtlich nichts mehr galt, musste er doch selbst töten. Diese Erfahrung erfüllte ihn einerseits mit Ekel vor der Kreatur Mensch, andererseits entdeckte er darin die Hinfälligkeit des Menschen, sein Schicksal als Opfer. In aggressiven Zeichnungen, die teilweise Elemente der Art brut aufweisen, und entsprechenden literarischen Texten (zum Beispiel „Im Feuerofen“) arbeitete der inzwischen Anfang 20-jährige Künstler an der Bewältigung dieses Traumas. Neben monumentalen, bis zu drei Meter hohen „Ecce-homo“- Zeichnungen gehört eine Reihe zornig gezeichneter Köpfe zu den eindringlichen Zeugnissen dieser existenziellen Auseinandersetzung. So sind dem „Schreienden“ etwa Werke wie „Mein Bruder, das fraßlüsterne Schwein“ und „Mein Bruder, das fraßlüsterne Schwein, frisst noch immer“ (beide befinden sich im Kupferstichkabinett, Berlin) vorangegangen, während ein unmittelbar folgender Kopf „Don Quichotte“ betitelt ist. Von diesem gibt es einen direkten Rückbezug zu dem „Schreienden“, denn auch jener ist ein Narr – was seine vielzipfelige Narrenkappe belegt. Vergleichbar mit Cervantes’ Ritter von der traurigen Gestalt, der mit seinem Kampf gegen Windmühlen als Symbolfigur der Vergeblichkeit menschlichen Bemühens gilt, wird wohl auch der „Schreiende“ – nach der resignativen Einschätzung des Künstlers – ungehört bleiben. Sein wildes und ruppiges Gesicht lässt ihn fast tierhaft, außerhalb der Zivilisation stehend erscheinen. Ganz bewusst hat der seit frühester Jugend in der Literatur bestens kundige Altenbourg hier auf die bereits im Mittelalter begründete Tradition des Narrentums zurückgegriffen, in der Randfiguren der Gesellschaft bittere – und darum unwillkommene – Wahrheiten verkünden. | Anita Beloubek-Hammer