Am Strand von Nidden Verso: Zwei Frauen (Entwurf)
Objektbeschreibung
Mitte Juni 1911 reiste Pechstein zum zweiten Mal in das ostpreußische Nidden (heute Nida) auf der Kurischen Nehrung. Begleitet wurde er nun von Lotte, seiner jungen Frau, die er nach Vollendung ihres 18. Lebensjahres im März hatte heiraten dürfen (vgl. „Doppelbildnis“, B 888). „Am Strand von Nidden“ malte Pechstein während des mehrmonatigen Sommeraufenthalts. Für die Darstellung der jungen Frau mit langen schwarzen Haaren, markanten Augenbrauen und dunklem Teint stand ihm – wie auf den meisten Figurenbildern jenes Sommers (vgl. „Die Ruhende“, A IV 204; „Sommer in den Dünen“, NG 9/64) – Lotte Modell, deren Ähnlichkeit mit Paul Gauguins Südsee-Frauenporträts nicht zufällig ist. Zudem ist die schwarze Umrandung der Formen, hier besonders anschaulich durch die Absetzung der roten Kette von blauem Oberteil und hellbraunem Hals, ein von dem Franzosen übernommenes Stilmittel zur Betonung von Farbkontrasten und Flächigkeit. Pechstein selbst hatte Gauguin schon 1907 als einen seiner liebsten Künstler genannt (Brief an Alexander Gerbig, 19.12.1907, Archiv Kunstsammlungen Zwickau, 2013/120/Au), 1910 bezeichnete ihn ein Kritiker gar als „Gauguinimitator in mancher Beziehung“ (Ausstellungen, Leipzig, in: Der Cicerone, 2. Jg. [1910], H. 22, S. 761). Pechstein hatte mehrmals Gelegenheit, die Werke des Postimpressionisten zu sehen: Präsentiert wurden sie etwa im September 1910 in der Dresdner Galerie Arnold parallel zu einer Brücke-Kollektivausstellung sowie im Februar 1911 im Berliner Kunstsalon Fritz Gurlitt. Pechsteins Bewunderung für Gauguin und das Wissen um dessen internationalen Erfolg dürften Gründe dafür gewesen sein, dass er selbst im Sommer 1914 in die deutschen Kolonialgebiete der Südsee, den Palau-Inseln aufbrach. | Aya Soika