Simson und Dalila
Objektbeschreibung
1618 bis 1620 entstand van Dycks großformatiges Gemälde mit Samson und Dalilah (Dulwich Picture Gallery, London, Inv.Nr. DPG127). Zwei Vorzeichnungen dazu sind bekannt, ein Blatt in der Kunsthalle Bremen (Inv.Nr. 1941/58), wohl eine erste Ideenskizze, und die Berliner Zeichnung. Ihre Quadrierung diente der Übertragung auf die Leinwand, sie entstand daher eher am Ende des Entwurfsprozesses, wobei van Dyck während des Malens noch Änderungen vornahm.
Van Dyck's Beschäftigung mit dem Thema geht auf ein Gemälde von Peter Paul Rubens für den Antwerpener Bürgermeister Nicolaas II. Rockox (1609/10, heute National Gallery, London, Inv.Nr. NG6461) zurück. Jacob Matham hatte dieses 1612 in einen seitenverkehrten Kupferstich übertragen, den van Dyck gekannt haben wird. Vielleicht hatte er auch Rubens' vorbereitende Ölstudie (Cincinnati Art Museum, Inv.Nr. 1972.459) zur Hand, das Gemälde befand sich bei seinem Eintritt in die Werkstatt bereits im Besitz von Rockox.
Van Dyck schuf das Gemälde als Zwanzigjähriger während seiner Zeit in Rubens' Werkstatt; er spiegelte die Komposition des Meisters (eine Idee, die vielleicht auf Mathams Stich zurückgeht) und emanzipierte sich zugleich von ihr. Er wählte einen anderen Moment der Geschichte und wich in Vielem vom Vorbild ab.
Die Szene zeigt einen Moment höchster Spannung aus der Geschichte von Samson und Dalilah, die im Buch Richter im Alten Testament erzählt wird. Samson ist im Schoß seiner Geliebten eingeschlafen. Seine Erzfeinde, die Philister, bestachen Dalilah mit 1.100 Silberstücken, damit sie ihnen das Geheimnis seiner übermenschlichen Kraft verriet, um ihn besiegen zu können. Nachdem sie Samson wiederholt gefragt hatte, woher seine Kraft stamme, fand Dalilah schließlich heraus, dass seine Kraft ihn verlassen würde, sollte man ihm die Haare abschneiden. Van Dyck stellt im Gegensatz zu Rubens, in dessen Gemälde die Locken bereits geschnitten werden, den spannenden Moment kurz zuvor dar. Von links hat sich ein Mann mit Schere genähert, Dalilah legt einen Finger an die Lippen, noch ist nichts geschehen.
In einem Ausstellungskatalog von 1980 wurde die Berliner Zeichnung als trockene und uninspirierte Studie beschrieben; dies mag vielleicht in ihrem nicht einwandfreien Erhaltungszustand begründet liegen. Die Oberfläche des Papiers weist Fehlstellen auf, die Tintenlinien sind ins Papier verlaufen.