Staatsrat Wolrad Schuhmacher und sein Schwager Geh. Hofrat Wilh. Kreusler
Objektbeschreibung
Hochformat, Unikat. Doppelporträt zweier sitzender Männer, die durch
nachträglich angebrachte, Schreibmaschinell erstellte Beschriftung als
„Urgrossvater Staatsrat Wolrad Schumacher und sein Schwager Geh. Hofrat
Wilh. Kreusler“ identifiziert werden können, dazu die handschriftliche
Angabe der Jahreszahl 1861. In der rechten Bildhälfte zu sehen ist Gh.
Hofrat Wilh. Kreusler, der in einen schwarzen Anzug gekleidet ist, ein
weißes Hemd mit Stehkragen und dunkler Halsbinde sowie eine dunkle Weste
trägt. Ergrautes Haar, sein Blick ist frontal auf die Kamera gerichtet.
Neben einer Uhrenkette sind an seiner linken Hand am Zeige- und kleinen
Finger Ringe zu erkennen. Seine linke Hand ruht auf einem gebogenen
Gehstock, seine rechte Hand ist auf die Schulter des Staatsrats Wolrad
Schumacher zu seiner rechten gelegt. Dieser blickt ebenfalls frontal in
die Kamera, sein Haar ist ergraut, das Gesicht trägt deutliche
Altersspuren (u.a. eingefallene Mundpartie, die auf fehlende Zähne
hindeutet). Auch er gekleidet in einen dunklen Anzug mit weißer Weste,
weißem Hemd mit Stehkragen und dunkler Halsbinde. Ebenfalls eine
Uhrenkette und Fingerringe am Zeigefinger und kleinen Finger der rechten
Hand zu erkennen. Der Hintergrund ist hell, es könnte sich um eine
Außenwand handeln, wobei links von Staatsrats Wolrad Schumacher der
Anschnitt eines Fensters zu sehen sein könnte.
Die Fotografie ist eingefasst in ein schwarz-goldenes Passepartout, auf das die schreibmaschinelle Beschriftung aufgebracht wurde. Auf der Rückseite die handgeschriebene Aufschrift „Arolsen Viehmarkt 1861“.
Die Fotografie ist eingefasst in ein schwarz-goldenes Passepartout, auf das die schreibmaschinelle Beschriftung aufgebracht wurde. Auf der Rückseite die handgeschriebene Aufschrift „Arolsen Viehmarkt 1861“.
Das fotografische Verfahren der Ambrotypie (von ambros, gr. „unsterblich“) wurde 1851, d.h. 12 Jahre nach der Erfindung der Fotografie in Großbritannien von Frederick Scott Archer erfunden. Hierfür wird auf eine Glasplatte als Untergrund eine brom- oder jodsilberghaltige Kollodiumschicht (Kollodiumwolle, Ether und Alkohol) aufgebracht. Die so behandelte Platte wird anschließend ohne Lichteinfall in eine Lösung mit Silbernitrat gelegt und noch feucht in die Kassette einer Kamera eingelegt. Die Belichtung erfolgt direkt und umgehend auf die feuchte Platte, weshalb man auch von einem Kollodium-Nassverfahren spricht. Dies bedeutete auch, dass die Handhabung insbesondere außerhalb von Fotostudios schwierig war. Nach der Belichtung wurde die Glasplatte erneut im Dunkeln mit einer Eisensulfatlösung behandelt, wodurch die belichteten Partien der Glasplatte weißlich/silbrige wurden. Anschließend wird noch auf der Kollodiumsschicht befindliches Sibleriodid bzw. Silberbromid mit einer Nathriumthiosulfatlösung ausgewaschen. In der Realität helle Partien (z.B. helle Kleidung) zeichnet sich in der Ambrotypie auch hell ab. In der Realität dunkle Partien (z.B. dunkle Kleidung) erscheinen erst dann dunkel, wenn man die entwickelte Glasplatte mit einer Schicht aus schwarzem Samt oder Papier hinterlegt. Das Verfahren erzeugt Unikate. Abzüge sind nicht möglich. Man spricht dabei auch von einem Scheinpositiv-Verfahren, da das Glasnegativ durch die Unterlegung mit einem schwarzen Hintergrund als Positiv erscheint. Ambrotypien können als Vorreiter der Ferrotypien verstanden werden, deren Untergrund Eisenblech statt Glas ist.
Staatsrat Wolrad Schumacher, auch Ludwig Wolrad Friedrich Wilhlem Schumacher ( geb. 2. November 1793 in Korbach, gest. 1. Juli 1862 in Arolsen war Jurist, Verwaltungsbeamter und Politiker (Quelle: „Schumacher, Ludwig Wolrad Friedrich Wilhelm“, in: Hessische Biografie (Stand: 28.11.2023), dort auch eine Fotografie, die in etwa im gleichen Alter zeigt).