Die Witwe
Objektbeschreibung
Vorstudie zu zwei von mehreren graphischen Fassungen [...], in
denen die Schwangere einmal mit schwer hängenden, dann wieder mit leicht angehobenen Armen dargestellt ist [#vgl. Ident. Nrn. AM 34-1961, AM 402-1975]. Sowohl die Kopfhaltung als auch der Gesichtsausdruck der Frau sind [...] verändert. Anders als dort lehnt sie hier den Kopf leicht zurück und schließt, sich dem Schmerz hingebend, die Augen. In ihrer Gebärde ist sowohl Anklagendes als auch Hilflosigkeit enthalten. Die Zeichnung vereint zwei alternative Fassungen. An Stelle der zunächst geplanten beidseitig abgewinkelten Unterarme trat später die Variante der auf den Leib gelegten rechten Hand, die nachträglich eingezeichnet wurde. Auf einer weiteren in der Sammlung vorhandenen Studie [#vgl. Ident. Nr. SZ Kollwitz 12] zur Lithographie legt die Frau beide Hände über ihrem Schoß zusammen.
Das hier mit dem Thema Schwangerschaft gekoppelte Motiv der Kriegswitwe beschäftigte die Künstlerin bis Anfang der zwanziger Jahre in Graphik und Plastik. Seine prägnanteste Form erhielt es im Rahmen der Folge "Krieg" als Holzschnitt.
(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 129, Kat.-Nr. 155)