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Abend über Potsdam


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Objektbeschreibung

Das großformatige Gemälde gilt als Hauptwerk Lasersteins, die an der Berliner Kunstakademie studiert hatte. Oft verband die Malerin Menschen ihrer Zeit mit modernen Themen wie dem Motorradfahren oder Tennisspielen. In „Abend über Potsdam“ porträtierte sie fünf Personen vor einer topografisch genauen Ansicht der Stadt mit Nikolai- und Garnisonkirche. Das Lieblingsmodell der Künstlerin, Traute Rose, im Bild links am Geländer, berichtete, dass auf der Dachterrasse die Figuren nur skizziert und später im Atelier ausgearbeitet worden seien (zit. in: Anna-Carola Krausse, Lotte Laserstein [1898–1993]. Leben und Werk, Berlin 2006, S. 155 f.). Mit ihrer Komposition weckt Laserstein Assoziationen an Leonardo da Vincis „Abendmahl“ (1494–1498; Santa Maria delle Grazie, Mailand) und liefert einen Gegenentwurf zu dem Wandbild, das Anton von Werner 1899 in Berlin für den Speisesaal des Zeitungsverlegers Rudolf Mosse gemalt hatte (Ölskizze im Deutschen Historischen Museum, Berlin). Im Gegensatz zum dort gezeigten historistisch eingekleideten Gelage des Geldadels sind bei Laserstein moderne Großstädter vor einem kargen Mahl zu sehen. Die Roaring Twenties sind vorbei, die Tischgesellschaft verharrt in ahnungsvoller Melancholie, sodass die Darstellung – mit Blick auf die zeitpolitische Situation – visionäre Züge erhält. Thematik und Haltung weisen Anklänge an die Neue Sachlichkeit auf, doch zugleich ist Lasersteins Malstil dem Realismus verpflichtet. 1937 emigrierte die Künstlerin aufgrund ihrer jüdischen Herkunft nach Schweden, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Durch eine Retrospektive im Berliner Ephraim-Palais wurde sie 2003 wiederentdeckt. | Dieter Scholz