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Thronende Maria mit dem Kind und den Heiligen Martha, Magdalena und Johannes dem Täufer

Eigentum des Kaiser Friedrich Museumsvereins

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Objektbeschreibung

Entstehungskontext und ursprünglicher Aufstellungsort des großformatigen Bilds sind seit Schleier (1972) genau bekannt – ein seltener Fall unter Museumsbeständen. Es entstand für den rechten Seitenaltar der ehemaligen Augustinerinnen-Klosterkirche S. Giovanni Evangelista, gen. S. Giovanetto in Lucca, eine Stiftung des Gonfaloniere Giovanni Battista Cenami (gest. 1613) mit dem Patrozinium der hl. Martha. Cenamis einzige Tochter Chiara war unter dem Namen Martha 1598 als Novizin und 1601 als Nonne dem Konvent beigetreten und er selbst 1603 zum Finanzverwalter des Klosters ernannt worden. Aus dem Namen des Stifters, der dem des Heiligenpatrons von Kloster und Hochaltar entspricht, sowie dem geistlichen Namen seiner Tochter, zugleich der des Altars, erklären sich die anwesenden Heiligen der Sacra Conversazione. Ihre Anordnung folgt einer klaren Hierarchisierung: Martha blickt zu ihrer Schwester Magdalena,
die sich unmittelbar dem nahen Christkind zuwendet, vor das sich die rechte Hand Marias legt. Unten im Bild befindet sich der Johannesknabe, der mit einer energischen Geste nach oben, auf das Christuskind, weist. Maria und ihr über ihrem rechten Oberschenkel gelehnt stehender Sohn befinden sich auf einem hohen Thron mit Brokatvorhang, zu dessen Seiten weite Landschaftsausblicke zu sehen sind. Der Aufbau folgt einem von Annibale Carracci, dem Onkel Antonios, dem das Bild beim Ankauf zugeschrieben wurde, aktualisierten Typus der venezianischen Sacra Conversazione
der Renaissance. Die lange Zeit offene Zuschreibungsfrage konnte Frisoni (1980) überzeugend klären. Eine Vorzeichnung in der Royal Library in Windsor Castle, die van Tuyll van Serooskerken (1993) identifizierte, zeigt Abweichungen von der Ausführung des Gemäldes. Aufschlussreich ist, dass zunächst anstelle Marthas eine Katharina vorgesehen war, die Patronin des weltlichen Namens der Tochter Cenamis; die gleichrangigen Heiligen Magdalena und Katharina waren natürlich nicht hierarchisiert dargestellt. Aus unbekannten Gründen, vielleicht durch den Tod des Auftraggebers veranlasst, wurde Katharina durch Martha ersetzt. │ Tobias Kunz, in: Die Schätze. 125 Jahre Kaiser Friedrich Museumsverein. Petersberg 2022, S. 261

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten: (ANTONI)VS/ CARRA(TI)VS / BO(NONI)ENS / P(INXIT RO)MAE