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Apothekengefäß mit gemaltem Schriftband und Inschrift


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Objektbeschreibung

"Eiförmige Vase mit zylindrischem Hals und eingezogenem Fuß. Die Blaumalerei auf bläulicher Gasur stellt in der Hauptzone ein welliges, rundum laufendes Schriftband dar, aus dessen Windungen Blumen nach beiden Seiten hervorwachsen. Die gotische Inschrift lautet: 'tal pensa de regnare che in breve ora convene [?] onni cosa laqssare'. Darunter ein geometrisches Ornament zwischen Querbändern, ganz unten als Abschluß eine Reihe von kleinen hängenden Blättern. Am Hals die S. Bernhardino-Strahlen. - Das Innere ebenfalls galsiert.
Das Gefäß verdankt seine Form altüberlieferten Vorbildern aus dem Orient. Seine nicht leicht zu deutende Inschrfit mahnt mit einem Blick auf den Tod: Gedenke so zu regieren, daß du in kurzer Zeit alle Dinge in Ordnung (?) zurücklassen kannst. - Das Schmuckmotiv am Hals geht zurück auf S. Bernhardino da Siena (1380-1444). Dieser Franziskanermönch, einer der größten Prediger Italiens, warb in seinen Reden für die Verehrung des Namens Jesu. Am Schluß seiner Predigten reichte er den Zuhörern eine Tafel mit den Buchstaben IHS (Jesus Hominum Slavator) in einem von geschwungenen Linien durchzogenen Strahlenkranz zum Kusse dar und verdrängte durch dieses Signum die Embleme der Ghibellinen und der Guelfen. Sein Wahrzeichen ist auf einen bekannten, 1475 datierten Majolikatondo gemalt, der einst in die Wand eines Hauses in Faenza eingelassen war. Seit dieser Zeit verwendeten die Töpfer in Faenza und auch in anderen Städten die 'S. Bernahrdino-Strahlen' oft als Dekorationsmotiv ihrer Geschirre.
in: Tjark Hausmann: Majolika. Spanische und italienische Majolika vom 14. bis zum 18. Jahrhundert, Berlin (Kunstgewerbemuseum) 1972, Kat. Nr. 105