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Zyklus "Sein", Bild 3


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Objektbeschreibung

Von 1949 bis 1956 studierte Hirsig an der Hochschule für bildende Künste im Westteil Berlins. Menschliche Körper in Verschlingungen waren bereits in seinen expressiv-informellen Bildern der 1960er-Jahre auszumachen. In der Folge verfestigten sich die Formen und Hirsig entwickelte mit reduzierter Farbpalette auf cremeweißen Bildgründen einige prägnante Motive, die er immer wieder neu bearbeitete. Verwandte Bilder, deren Entstehungsdaten teils weit auseinanderliegen, fasste er in Zyklen zusammen, etwa unter dem Oberbegriff „Sein“. Das erste Gemälde dieser Reihe stammt aus dem Jahr 1971 und zeigt einen zentralperspektivisch konstruierten Innenraum, in dem sich die Rundungen verschiedener Körperteile um ein Zentrum ballen. Darin befinden sich zwei Köpfe als parallele Silhouetten in Weiß und Schwarz. Wie ein Echo darauf wirken zwei flügelartige Formen an der Rückwand, die herabzugleiten scheinen. In dem zwei Jahre später entstandenen, dritten Gemälde der Serie ist daraus eine Faust geworden, zu der die beiden Figuren von ihrem Bett aus ängstlich hinaufblicken. Die Bedrohung der menschlichen Existenz aus der Luft war für Hirsig, der als Jugendlicher kurz vor Kriegsende noch in einer vormilitärischen Einheit hatte Dienst leisten müssen, eine reale Erfahrung. Doch in seiner Malerei transformierte er thematische Ausgangspunkte wie diesen zu offenen und vieldeutigen Bildkompositionen. Leben und Tod, Ekstase oder Schmerz, Gut versus Böse – das Sein ist immer in der Schwebe und stets gefährdet. | Dieter Scholz