Dreiflammiger Leuchter mit Elfenbeinfigur, welche von Stängeln einer Silberdistel umschlungen wird
Objektbeschreibung
Den mystischen Naturbezug des Symbolismus, ähnlich wie bei Gallé (siehe Nr. 88), spiegelt auch dieses Werk des belgischen Jugendstils wider. Eine elfenbeinerne Frauengestalt wird umschlungen von den über sie hinauswachsenden Stengeln einer Silberdistel. In ihrer zurücklehnenden Haltung folgt sie dem bewegten, aufstrebenden Wuchs der Distel, wird fast zu einem Teil der Pflanze, während diese in der agressiv erscheinenden, sie fesselnden Umarmung etwas Animalisch-Lebendiges verkörpert. Mensch und Pflanze stehen in einem kreatürlichen Wechselspiel und verschmelzen trotz der stark kontrastierenden Materialien zu einer Einheit, werden zu Symbolen der sie verbindenden Lebenszyklen von Werden und Vergehen. Im Lichterspiel brennender, flackernder oder verlöschender Kerzen, die in den Distelköpfen gehalten werden, mag sich die symbolistisch-philosophische Dimension des Ästhetizismus vom Fin de siècle eindrücklich offenbart haben.
Barbara Warncke aus Kunstgewerbemuseum Berlin, Prestelführer, 1998, Kat. Nr. 90
MAKR