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Objektbeschreibung

Seit 1970 arbeitete Ticha freiberuflich in Berlin, der Hauptstadt der DDR, vor allem als Grafiker. Damit war er nicht abhängig vom staatlichen Auftragswesen für Malerei und konnte stilistisch eigene Wege gehen. Nachdem er sich in den 1970er-Jahren vorwiegend mit Strand- und Sportmotiven beschäftigt hatte, nahm er seit 1979 auch Bezug auf die Politik. Als Quelle dienten ihm Zeitungsfotos und Parolen, die er als Schriftelemente in seine Bilder integrierte, etwa 1982 „Es lebe die DDR“ (Privatsammlung). War dort der Slogan vollständig wiedergegeben, zeigt das im Folgejahr entstandene Gemälde „LISMUS“ nur das Fragment eines Wortes. Die schwarzen Buchstaben auf rotem Grund sind abgeleitet von einem Transparent zur Propaganda für den „Sozialismus“. Es könnte aber auch „Kapitalismus“ heißen oder „Realismus“. Die Verbindung dieser beiden Begriffe ergibt „Kapitalistischer Realismus“, ein Begriff, den die aus der DDR in die BRD geflüchteten Maler Sigmar Polke, Gerhard Richter und Manfred Kuttner zusammen mit Konrad Lueg (eigentlich Konrad Fischer) zwischen 1963 und 1966 verwendeten. In ironischer Abwandlung des „Sozialistischen Realismus“ wollten diese Künstler damit den Charakter der westlichen Warenwelt entlarven. Viele ihrer Werke gaben Zeitungsausschnitte minutiös wieder, selbst das Druckraster war in Öl gemalt. Auch Ticha setzt hier die schwarzen Punkte ein, aus denen das Gesicht eines Mannes auftaucht, der starren Blicks dem inhaltlich entleerten Banner folgt. | Dieter Scholz