Ohne Titel (Kalenderblatt)
Objektbeschreibung
In buchhalterischen Angelegenheiten war Klee sehr gewissenhaft. Von 1898 bis 1918 führte er ein Tagebuch, das er in den Folgejahren so lange überarbeitete, bis es seinen Ansprüchen genügte. 1911 kam ein Verzeichnis seiner Werke hinzu, die er mit einem ausgeklügelten Zahlen- und Buchstabensystem klassifizierte. Auch die kleinsten Zeichnungen oder Teile, die er aus diesen ausschnitt, fanden die Aufmerksamkeit des Künstlers. Klee verwertete sie weiter, indem er sie auf Postkarten an Freunde klebte oder, wie im vorliegenden Falle, die Seiten eines selbst gemachten Tischkalenders damit versah. Die dynamische Beziehung des hier skizzierten Pärchens entbehrt nicht einer gewissen Komik. Nackt im Gebirge tragen beide Figuren Schuhe mit Absätzen. Ihre vom Kopf abstehenden Haarbüschel, die an Strahlen und Blätter erinnern, sind schwer zu deuten. Erscheint hier Apollo, der sich auf der Jagd nach der Nymphe Daphne selbst in sie verwandelt? Ist es ein amüsierter Hinweis auf Szenen einer Ehe im Hause Klee? Mit feiner Ironie hat der Künstler dafür gesorgt, dass solcherart Fragen ungeklärt bleiben. | Kyllikki Zacharias