8 Entwürfe für den Hamburger Bahnhof
Objektbeschreibung
Anfang der 1960er-Jahre begann Flavin, mit Licht als künstlerischem Medium und Material zu arbeiten. Er nutzte handelsübliche fluoreszierende Leuchtstoffröhren, um leuchtende, immaterielle, farbintensive Werke zu schaffen, die Räume und Atmosphären transformieren und eine neue Wahrnehmung von Licht und Raum ermöglichen. Seine Arbeiten untersuchen die Wechselbeziehung zwischen Kunstwerk, Ausstellungsraum und Betrachtenden – ein zentrales Thema der in den 1960er-Jahre aufkommenden Kunstströmung der Minimal Art. Flavins unbetitelte Lichtinstallation am und im Hamburger Bahnhof gehört zu den ortsspezifischen Arbeiten, die er im Auftrag verschiedener Museen entwickelte, darunter das Kunstmuseum Basel oder die Menil Collection in Houston, Texas. Für diese letzte vor seinem Tod 1996 entworfene Installation, deren Realisierung er selbst nicht mehr erlebte, verwendete Flavin 120 blaue und grüne fluoreszierende Leuchtstoffröhren. Diese wurden sowohl an der Fassade als auch in den historischen Übergängen zu den Ehrenhofflügeln des spätklassizistischen Gebäudes angebracht: Die blauen Röhren leuchten nach außen, während die grünen den Innenraum akzentuieren. Flavin bezeichnete seine Werke als „Proposals“ (Vorschläge) und beschrieb sie als „modulare Strukturen, die eine kontextuelle Unendlichkeit nahelegen“ (Flavin, „Several more remarks“, in: Studio International 177, Nr. 910, April 1969, S. 174). Damit betonte er die inhärente Offenheit und den prozessualen Charakter der Arbeiten. | Catherine Nichols