Porträt der Maria Anna Härtlin
Objektbeschreibung
Das Gewand der Dame besteht aus einem eng anliegenden, mit floralen Mustern bestickten Textil. Aus den ellbogenlangen Ärmeln des Caraco, einer Schoßjacke, treten die Blusenärmel bauschig hervor. Vorne wird die Jacke mit Posamentenknöpfen geschlossen. Ein über der Brust verkreuztes Schultertuch bedeckt das Dekolleté. Die Kopfbedeckung bildet eine auf dem Hinterkopf aufsitzende frühe und große Form der Riegelhaube (Anm. Monika Hoede) mit einem ausladenden Spitzenvorstoß aus Hohlspitze. Als Accessoires trägt die Dargestellte eine mehrfach eng um den Hals geführte Perlenkette, sowie Pendant-Ohrringe und einen Fingerring. Eine Schleife im Nacken schließt entweder die um den Hals gelegte Perlenkette oder ist als dekoratives Element der Haube zu deuten.
Die hier dargestellte Maria Anna Härtlin findet Erwähnung in der zeitgenössischen Quelle Standhafte Vertheidigung der Wahrheit und Ehre, Oder: Abgenöthigte, aus lauter gerichtlichen Acten ... gezogene wahrhaft und unwidertreibliche Gegenvorstellung des Status causae, Tit. Plenmo. Herrn Joseph Maria des Heil. Röm. Reichs Grafen Fugger von Kirchberg und Weissenhorn ... contra dero geweßten Rath und Canzlern Wilhelm Friderich von Orth vom 1. Januar 1760. Darin wird ein Haus-Kauff Contract vom 14. August 1754 in Augsburg erwähnt. Eine zweite zeitgenössische Quelle, das Regensburger Diarium, benennt die Hochzeit zwischen einer Anna Maria Härtlin und dem Martin Silbereis, Beysitzer allhier am 1. Juni 1874 in der Stadtpfarr St. Ruprecht in Regensburg (Regensburgisches Diarium oder wöchentliche Frag- und Anzeige-Nachrichten: 1784, S. 178).
Beziehen sich beide Nachrichten auf die gleiche Person und die hier Dargestellte, so kann von einem Umzug nach Regensburg ausgegangen werden, deren Grund die Hochzeit, möglicherweise die zweite Heirat, war.
Beziehen sich beide Nachrichten auf die gleiche Person und die hier Dargestellte, so kann von einem Umzug nach Regensburg ausgegangen werden, deren Grund die Hochzeit, möglicherweise die zweite Heirat, war.
Ob die in dem Gerichtsdokument Gründliche Nachricht von denen, von Einigen Räubern und Spitzbuben von 1714 erwähnte Anna Maria Härtlin mit der Dargestellten übereinstimmt ist ob der Datierung und der standesgemäßen Kleidung unwahrscheinlich.
Text: S. de Günther