Moden-Plastik, Modell D (Rock-Plastik „Lillian“)
Objektbeschreibung
Vor seinem Studium der Bildhauerei hatte sich Belling in einer Lehre zum Kunsthandwerker die Technik des Kaschierens angeeignet, bei der mehrere Lagen von Papier- oder Pappmaché durch Leim verbunden werden. Nach dem Krieg beauftragte die Erdmannsdorfer Büstenfabrik den Künstler mit dem Entwurf von Schaufensterfiguren als moderne Alternative zu den aus Wachs gefertigten, naturalistischen Puppen. Belling entwickelte ein vollkommen neuartiges Konzept, indem er die Körper stark abstrahierte, metallisch lackieren ließ und damit Stilelemente des Art déco vorwegnahm. Als „Konfektionsbüste für Schaustellungszwecke“ wurde seine erste Schöpfung im Oktober 1921 patentiert und im Dezember desselben Jahres als „Moden-Plastik“ im Berliner Hotel Esplanade der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Figuren waren ein sensationeller Erfolg. Anschließend erweiterte Belling seine Produktpalette, sodass im Katalog der Erdmannsdorfer Büstenfabrik 1924 auch das dreiviertelhohe „Modell D“ zur Präsentation von Röcken und Miederwaren als „Rock-Plastik“ in zwei Ausführungen angeboten wurde: bronziert in mattem Goldton oder blattvergoldet. Der wie eine abstrakte Skulptur anmutende Körper verengt sich unterhalb der Hüften kegelfömig und ist mit dem runden Holzsockel über zwei pagodenartige Rundstufen mit aufgesetzter Kugel verbunden. So scheint die Figur elegant und fast schwerelos zu balancieren. Das Exemplar der Nationalgalerie zeigt auf dem konkav gewölbten oberen Abschluss in Schreibschrift den Namen „Lillian“. Bislang konnte nicht geklärt werden, ob er eine Modefirma oder eine Produktlinie bezeichnet und wann er aufgetragen wurde. | Dieter Scholz