Sarg.Kind Aus dem Zyklus "Sarg-Art"
Objektbeschreibung
„Sarg-Kind“ ist eine erschreckende und gleichzeitig komische Darstellung des unglücklichen Kindes von „ekelhaften, erbärmlichen Mutanten“, wie der Künstler sie nannte, von „Sarg-Männern“ und „Sarg-Frauen“, die keinen Verstand haben und auf der von der Menschheit verwüsteten Erde leben. Die aus Sanitärrohren, technischem Abfall und grob zerkleinerten Brettern geschaffene Assemblage gehört zu der von Sidur so bezeichneten „Sarg-Kunst“ der 1970er-Jahre. Sie sollte mit ihren grausamen Bildern die Menschheit vor ihrer anscheinend unvermeidlichen Selbstzerstörung warnen. Der Künstler schrieb: „Es scheint, dass der vollständige Triumph der Sarg-Kunst bevorsteht und unser Globus sich in einen Planetensarg verwandeln wird ...“ (Natalija Nolde-Lurie, Drama cheloveka v tvorchestve Vadima Sidura, Moskau 2014, S. 54). Die Angst vor einem Atomkrieg während und nach der Kubakrise 1961 war allgegenwärtig, auch in der UdSSR, sowohl in der Politik als auch in der Kultur. „Sarg-Kunst“ war wie ein Vorbote des Reaktorunfalls im ukrainischen Tschernobyl im Jahr 1986 und ist heute wieder erschreckend aktuell. Sidur kannte die Werke Jean Tinguelys aus Katalogen, die er aus Deutschland erhalten hatte, und schuf seine eigene Version der Assemblage, in der Technikmüll zum Material für anthropomorphe Skulpturen wird. | Elena Voronovich