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Frau hinter einem Gitter

Schenkung von Dmitry Sidur

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Objektbeschreibung

Die „Frau hinter einem Gitter“ gehört zu Sidurs „Sarg-Kunst“ der 1970er-Jahre. Die Figur ist die verschmähte Ehefrau des Mutantenkönigs, des Herrschers über das Reich der neuen Erdenbewohner, die an die Stelle der Menschheit getreten sind, nachdem diese durch einen Atomkrieg vernichtet wurde. Sidurs Mutanten sind lächerlich und gleichzeitig erschreckend menschlich bis ins kleinste Detail, und in seiner Erzählung leben sie, um sich zu vermehren. Sie sind abstoßend, aber wir sympathisieren mit ihnen, denn sie sind eine Erweiterung unserer selbst. Sie sind ein Ausdruck von Sidurs Ablehnung der Gewalt: „Hunderte, Tausende, Millionen von Menschen starben durch Gewalt. Kugeln, Galgen, Bomben, Gaskammern, Konzentrationslager, Folter […] – Die Liste darf nicht weitergehen, denn sie ist bereits endlos. Sie muss doch irgendwann enden! Aber die Menschheit, als ob sie der Vernunft beraubt wäre, lernt nicht dazu … Mich bedrückte und bedrückt ständig das körperliche Gefühl der Verantwortung gegenüber denjenigen, die gestern starben, heute sterben und morgen unweigerlich sterben werden.“ (Natalija Nolde-Lurie, Drama cheloveka v tvorchestve Vadima Sidura, Moskau 2014, S. 41) Sidur wurde im Zweiten Weltkrieg von der Kugel eines deutschen Scharfschützen im Gesicht getroffen und litt bis zur Genesung große Schmerzen. Mit 19 Jahren war er somit schwer behindert und begann eine Ausbildung zum Bildhauer. Im Stil des Sozialistischen Realismus schuf er lakonische anthropomorphe Skulpturen, die den Hohlraum als Ausdrucksmittel nutzen. Sidur sah den Ursprung seiner Kunst in den Bildwerken der Skythen, die er in einem Museum in seiner Heimatstadt Dnipro gesehen hatte. | Elena Voronovich