Logo

Junger Mann mit klopfendem Herzen


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Den Sommer 1944 verbrachte Ernst bei Julien Levy, einem befreundeten, auf Surrealismus spezialisierten Galeristen, in Great River auf Long Island (New York). Hier entstanden insgesamt neun Skulpturen in verschiedenen Ausführungen sowie ein Schachspiel mit zum Teil ähnlichen, stark reduzierten Formen. Jürgen Pech zufolge fertigte Ernst den „Jungen Mann mit klopfendem Herzen“ zunächst als Gipsguss (Sammlung Würth, Künzelsau; vgl. Jürgen Pech, Max Ernst. Plastische Werke, Köln 2005, S. 59). Durch das Ineinanderstellen zweier Eimer ergaben sich in den Zwischenräumen die rund gebogenen Beine. Der Rumpf entstand in einer leicht verformten Metallkiste, in die der Künstler auf Herzhöhe einen Löffel drückte, bevor der Gips erstarrte. Mit weiteren einfachen Formen schuf Ernst den langen Hals und das nach innen gewölbte Gesicht. Es existieren insgesamt sechs Bronzegüsse nach diesem Gips (unter anderem im Max Ernst Museum, Brühl) sowie eine aus Mahagoni geschnitzte Version (Menil Collection, Houston). Eine jener Figuren stellte Ernst später auf das Fenstersims im ersten Stock seines ab 1955 bewohnten Hauses im französischen Huismes, wodurch sie auch den Titel „Sauteur du mur“ („Mauerspringer“) erhielt. 1944 schuf der Künstler noch eine ähnlich gestaltete, aus Gips gegossene Frauenfigur (zerstört, WVZ Spies/Metken 5, 1987, 2467), die – anders als der breitbeinig wie ein Cowboy dastehende „Junge Mann“ – mit langem Rücken zurückgelehnt saß. | Kyllikki Zacharias