Allegorie auf die gute Regierung, Vorzeichnung für den Kupferstich von Pieter de Jode II, nach einer Rubens zugeschriebenen Ölskizze
Objektbeschreibung
Die Zeichnung entstand zur Vorbereitung eines Kupferstichs von Pieter de Jode II. Im Zentrum sitzt eine allegorische Figur mit einer Krone aus Mauerzinnen auf dem Kopf, Ruder und Zepter in den Händen. Die Bekrönung mit einem Zinnenkranz ist das übliche Attribut der antiken Göttin Kybele, Beschützerin der Städte und Göttin der Fruchtbarkeit. Neben ihr steht ein terrestrischer Globus. Ein Putto bringt einen Lorbeerkranz, der ihr von einer zweiten Frau, wohl eine Personifikation der Klugheit, aufgesetzt wird. Links steht die Allegorie der Gerechtigkeit mit Waage und Schwert. Sie tritt auf eine Hydra, ein mythologisches Geschöpf, dem für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue wachsen und das von Herkules besiegt wurde. Zu dritt stehen die drei Frauengestalten für die gute, das heißt, tugendhafte, kluge und gerechte Regierung. Die zentrale sitzende Figur könnte zugleich für die Stadt Antwerpen stehen.
Die Zeichnung stellt den Zwischenschritt zwischen dem (unbekannten) Gemälde von Rubens und dem ausgeführten Kupferstich dar, der die Komposition verbreiten sollte. Kupferstiche wurden in großer Auflage produziert und europaweit auf den Markt gebracht. Sie trugen maßgeblich zu Rubens' Ruhm bei.
Wenngleich das ausgeführte Gemälde heute nicht mehr bekannt ist, so hat sich doch eine vorbereitende Ölskizze (um 1620) von Rubens im Musée Rupert de Chièvres in Poitiers erhalten (die 2007 gestohlen wurde und bis heute nicht wieder aufgefunden werden konnte). Die Dreiergruppe ist hier seitenverkehrt zur Zeichnung abgebildet. Abraham van Diepenbeeck, dem die Zeichnung zugeschrieben ist, verkehrte bewusst die Seiten, da durch den Druckvorgang im Kupferstich die Zeichnung ihrerseits wieder gespiegelt wurde. Demzufolge ist der Kupferstich seitenrichtig zur Ölstudie. Möglicherweise diente die Ölstudie nicht zur Vorbereitung eines Gemäldes, sondern entstand direkt für den Kupferstich.
Rubens griff das Thema in einem anderen Gemälde auf und variierte es. In seinem Allegorischen Porträt der Maria de'Medici (1620/25, Musée du Louvre, Paris) trägt die nun frontal zum Betrachter ausgerichtete, mit Lorbeer bekränzte Frau die Züge der französischen Königin. Die beiden Allegorien der Gerechtigkeit und der Klugheit sind entfallen.