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Objektbeschreibung

In seinem Gemälde „Ruine“ griff Kunz ein Motiv aus dem Hintergrund seines vier Jahre zuvor entstandenen Werkes „Deutschland erwache!“ (NG 5/15) auf und setzte es bildfüllend in Szene. Es handelt sich um ein im Krieg schwer beschädigtes Haus, dessen Fassade fehlt. Der Blick fällt darum direkt in die Wohnräume. Im Erdgeschoss ist eine männliche Figur zu erkennen, die zur Hälfte von einem notdürftig installierten Vorhang verborgen wird. Die Darstellung ist autobiografisch motiviert, denn nach dem Bombenangriff der Alliierten auf Augsburg im Februar 1944 hatte sich Kunz in einer Ruine ein provisorisches Atelier eingerichtet. Es verweist aber auch auf eine zweite inhaltliche Ebene, die Beschäftigung mit dem Theater. Überliefert ist, dass Kunz für seine Kinder Puppenstuben anfertigte, und ein fotografisch dokumentiertes Exemplar aus dem Jahr 1948 zeigt als Charakteristikum ebenfalls die vorn offene Raumsituation (vgl. Karl Kunz. Malerei 1921–1970, hrsg. von Jo Enzweiler, Saarbrücken 2015, S. 317). Das Gemälde lässt auch an einen mehrstöckigen Bühnenraum denken, wie ihn etwa Erwin Piscator 1927 in seiner Inszenierung von Ernst Tollers „Hoppla, wir leben!“ verwendet hatte, doch der Titel „Ruine“ belegt die zeitgeschichtliche Situation als hauptsächliche Bezugsebene. | Dieter Scholz