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Varieté (Adolfine)


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Objektbeschreibung

Tanz, Fest, Jahrmarkt, Theater und Bühnenakrobatik sind Themen, die Kunz schon seit Mitte der 1930er-Jahre beschäftigten (vgl. Jahrmarktparade, 1938). Sie erlaubten es ihm, menschliche Körper in überdehnten Posen und kunstvollen Verschlingungen wiederzugeben. An der dargestellten Szene in einem Varieté sind über ein halbes Dutzend Personen beteiligt. Während links eine Figur mittels einer Leiter zu einer Art Loge in der Bühnenrückwand hochklettert, wird vorn auf dem Bühnenboden eine Travestienummer präsentiert. Zwischen zwei Frauen mit entblößter Brust, die zu ihren Füßen knien, ragt im Zentrum eine dritte empor, bekleidet mit fliederfarbenem Torselett und kurzem schwarzem Tanzröckchen. Ihr Gesicht zeigt die stilisierten Züge Adolf Hitlers, daher der Untertitel „Adolfine“. Sich über den nationalsozialistischen „Führer“ und dessen Männlichkeitskult lustig zu machen, war angesichts personeller und ideologischer Kontinuitäten in der Bundesrepublik der 1950er-Jahre noch durchaus gewagt. Ein halbes Jahr nachdem Kunz sein groteskes Bild gemalt hatte, kam Charlie Chaplins filmische Satire „Der große Diktator“ in die westdeutschen Kinos, blieb aber beim breiten Publikum zunächst ohne Erfolg. Stilistisch repräsentiert Kunz’ „Variété (Adolfine)“ die reife Schaffensphase des Künstlers, in der sich häufig ein gewisser Horror Vacui zeigt, die Tendenz zur vollständigen Ausfüllung der Bildfläche durch kleinteilige Formen. | Dieter Scholz