L'animal manuel
Objektbeschreibung
Der von Kindesbeinen an bestehende Glaube Brauners an geisterhafte Phänomene – schon sein Vater hatte spiritistische Sitzungen veranstaltet und in Kontakt mit berühmten „Medien“ gestanden – wurde durch ein einschneidendes Erlebnis noch verstärkt. 1931 hatte der Künstler ein Selbstporträt geschaffen (Centre Pompidou, Paris), das den Surrealisten im Nachhinein nur als das Werk eines wahren „Sehers“ gelten konnte: Es zeigt den 27-Jährigen mit einem blutig fehlenden Auge – als habe er seinerzeit bereits geahnt, was später tatsächlich passieren sollte: 1938 verlor Brauner bei dem Versuch, einen Streit zwischen den Künstlerkollegen Oscar Domínguez und Esteban Francés zu schlichten, ein Auge. Den in der Folgezeit entstandenen Werken ist das hieraus resultierende fehlende Raumverständnis deutlich anzumerken. Es sind flächige Bilder, in denen die scharf konturierten Formen nicht dazu dienen, eine räumliche, sondern eine andere, gedankliche Tiefe herzustellen. So ergibt sich zwischen dem „Handtier“ und der darunterliegenden, schablonenhaften Frauenfigur eine weitere, geheimnisvolle Binnenform, die einem großen Fisch mit weit aufgerissenem Maul ähnelt. Lediglich unter dieser schwebenden Dreierkonfiguration tut sich ein rechteckig ausgehobener Erdraum auf. Durch den langen, ährenähnlichen Arm, mit dem das „Handtier“ die Haare der Frau wie eine Garbe packt, ergibt sich eine Assoziation an den antiken Demeter-Mythos, in dem es um das zyklische Verhältnis von Leben und Sterben geht, während die geschlossenen Augen der nur mit schwarzen Absatzschuhen Bekleideten surrealistische Vorstellungen von Eros und Traum wecken. | Kyllikki Zacharias