Der Anhänger der Cagoule
Objektbeschreibung
Anfang der 1930er-Jahre hatte Calder seine ersten Mobiles geschaffen. Es waren abstrakte, hängende Gebilde aus Draht und Stahl, die durch den kleinsten Luftzug in Bewegung versetzt werden konnten. Auslöser für die Kreation dieser kinetischen Objekte war Calder zufolge sein Besuch im Atelier des niederländischen Malers Piet Mondrian, dessen Arbeiten sowie ihre räumliche Anordnung in dem mit farbigen Paneelen gestalteten Raum ihn zu seiner neuartigen Arbeitsweise inspirierten. Das großformatige schwarze Mobile „Der Anhänger der Cagoule“ entstand im Jahr 1954. Ob Calder mit dem Titel auf die rechtsextreme Gruppierung der Cagoulards verweist, die in den 1930er-Jahren und während der deutschen Besatzung Frankreichs aktiv und deren Erkennungszeichen schwarze Kapuzen (frz. „cagoule“) mit Augenlöchern gewesen waren, bleibt offen. Jedoch lassen formale Details wie die Farbgebung und die Durchbrechung der Elemente des Mobiles diesen Schluss durchaus zu. Kommentiert hat Calder diesen Titel nicht, auch nicht anlässlich der „X. Triennale di Milano“, wo der Bildhauer das Mobile erstmals zeigte. Es bildete den Mittelpunkt eines von den italienischen Architekten Belgiojoso, Peressutti & Rogers (BBPR) entworfenen Labyrinths im Parco Sempione, einem Ausstellungsort der Triennale für experimentelle Architektur. Eindrücklich visualisierte das Mobile mit dieser Einbettung die Verbindung von Kunst, Design und Architektur. | Maike Steinkamp