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Objektbeschreibung

Auf diesem Blatt arbeitete Dalí mit der Décalcomanie, einem künstlerischen Verfahren des Farbabklatsches, das im 18. und 19. Jahrhundert besonders für die Übertragung von Motiven auf Papier, Keramik oder andere Medien eingesetzt worden war. Mitte der 1930er-Jahre wurde diese Technik von Surrealisten wie Óscar Domínguez, Max Ernst oder Hans Bellmer dergestalt verfremdet, dass sie den Farbabklatsch bewusst fehlerhaft ausführten (zum Beispiel durch beliebiges Positionieren oder Verreiben des Trägerblattes auf dem Zielmedium), um abstrakte, mit Hilfe des Zufalls entstehende Motive zu generieren, denen sie wie den „dessins automatiques“ (automatischen Zeichnungen) den surrealistischen Status von Erzeugnissen des Unterbewussten zuschrieben. Später fertige Dalí ein „Anatomies“ betiteltes Gemälde (um 1937, WVZ unter www.salvador-dali.org [11.11.2020], P 445), das – statt wie hier zwei – sieben in Farbe und Gestalt sehr ähnliche Körper zeigt. Er entwickelte den Bildaufbau von zwei nebeneinander verwendeten Motiven zu einer Reihe von „paranoid-kritischen“ Bildsujets weiter, bei denen die Gleichheit der Konturen und die Unterschiedlichkeit des in ihnen Dargestellten bei den Betrachter:innen Verwirrung auslösen sollten. „Die Metamorphose des Narziss“ (1937; Tate, London) etwa führt in exakt identischen Umrissen links einen sich über eine Wasserfläche beugenden Menschen, rechts eine Hand, die ein keimendes Ei hält, vor Augen – eine Illustration der Verwandlung des mythischen Narziss vom Menschen zur Blume, wie sie Ovid in seinen „Metamorphosen“ beschrieben hat. | Gabriel Montua