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Die Begegnung

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010

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Objektbeschreibung

Es ist eine unheimlich wirkende Begegnung zweier Frauen, die Delvaux in seinem Gemälde inszeniert hat. Nackt und schutzlos stehen sich die beiden auf einer leeren Straße gegenüber. Trotz der offensichtlichen Gesprächssituation findet keine Kommunikation statt – die Personen wirken vereinzelt und stumm. Auch die Frauen, die von links und rechts in antikisierenden Kleidern oder nackt auf die Kreuzung strömen, brechen diese Vereinzelung nicht auf. Vielmehr unterstreichen sie den Eindruck von Einsamkeit, Leere und Todesahnung, der durch den starken Hell-Dunkel-Kontrast, den kulissenhaften, weiten Horizont und den links die Straße säumenden Friedhof verstärkt wird. Delvaux hatte zunächst zwei Jahre Architektur studiert, bevor er sich 1917/1918 an der Académie royale des Beaux-Arts in Brüssel für Malerei einschrieb. Weisen seine früheren Arbeiten zunächst expressive, dann realistische Züge auf, fanden ab 1934 – unter dem Eindruck der „Minotaure“-Ausstellung der Surrealisten in Brüssel – vermehrt unwirkliche, verstörende Motivkombinationen Eingang in seine Bilder: klassizistische Architekturensembles, bevölkert von statuen- oder sphingenhaften Frauen oder Skeletten, sowie Männer, die sich wie Fremdkörper in schwarzen Anzügen und Bowlern durch die Bilder bewegen. Wie in dem Gemälde „Die Begegnung“ hat sich der Künstler auch oft selbst als stillen Beobachter in Szene gesetzt. Vor allem die Arbeiten des ebenfalls belgischen Malers René Magritte und die leeren Stadtlandschaften Giorgio de Chiricos mit ihrer traumwandlerischen Atmosphäre beeinflussten Delvaux nach eigenen Worten (zit. in: Antoine Terrasse, Paul Delvaux, Berlin [West] 1972, S. 27). | Maike Steinkamp