Flugzeugfalle
Objektbeschreibung
Mitte der 1930er-Jahre schuf Ernst eine Reihe von Gemälden mit „flugzeugverschlingenden Gärten“ („jardins gobe-avions“), zu denen auch dieses gehört. Weitere Versionen befinden sich etwa im Peggy Guggenheim Collection in Venedig, im Centre Pompidou in Paris und im Philadelphia Museum of Art. Statt der zu erwartenden saftigen Wiesen sind scharf ummauerte, öde Areale, meist auf Hochplateaus in einer nicht näher definierten Sandwüste, zu erkennen. In diesen stark abstrahierten Räumen liegt jeweils hingestreckt ein helles flugzeugartiges Gebilde, dessen Körperformen bisweilen an einen Vogel – Alter Ego des Künstlers (vgl. „Forêt“, Nationalgalerie, Schenkung Pietzsch) – erinnern, umgeben von sonderbaren, größtenteils farbigen Pflanzenknäueln. Graziös winden sich diese um das gefallene Flugzeug, scheinen es zu umgarnen und gleichzeitig auszusaugen oder zu verschlingen – die Assoziation zu fleischfressenden Pflanzen wie den Venusfallen ist evident. Ihr vegetabiles, weiblich konnotiertes Wesen steht im klaren Gegensatz zu den männlich-strengen Formen der Flugzeugfigur, was die Vermutung nahelegt, dass es hier weniger um die Vorahnung künftigen Kriegsgeschehens als um eine grundlegende Kritik an der Fortschrittsgläubigkeit geht. | Kyllikki Zacharias