Junger Mann, beunruhigt durch den Flug einer nicht-euklidischen Fliege
Objektbeschreibung
Zu den bei den Surrealisten beliebten „automatischen“ Verfahren gehörte auch die sogenannte Oszillation. Ernst erfand sie 1942, kurz nach seiner Emigration nach New York: In eine unten mit einem Loch und oben mit einer Schnur versehene Blechdose füllte er Farbe, hielt die Schnur über eine darunterliegende Leinwand und versetzte der Dose einen Stoß. Durch die sich daraus ergebende Pendelbewegung malte die Dose, aus der die Farbe rann, nun wie von selbst. Je nach Größe des Lochs, der Verflüssigung der Farbe sowie der Anzahl und Art der Stöße ergab sich eine mehr oder weniger regelmäßige Konfiguration aus Linien und Tropfen. Anders als Jackson Pollock, der diese Technik zum „Dripping“ weiterentwickelte und als Action-Painting berühmt machte, nutzte Ernst dieses Verfahren nicht zur Steigerung des gestischen Ausdrucks. Vielmehr zeigen Gemälde wie „Die Hochzeit von Licht und Dunkelheit“ oder „Der verwirrte Planet“ (beide 1942, WVZ Spies/Metken 1987, 5, 2427, 2426), dass er die durch Oszillation entstandenen Linienknäuel für Bilder verwendete, in denen es um eine Auseinandersetzung mit widersprüchlichen Daseinsformen geht: Tag und Nacht, Ordnung und Unordnung oder abstrakte und konkrete Kunst. So hieß denn auch das vorliegende Gemälde zunächst „Art abstrait, art concret“ (WVZ 2428) bevor es seinen weitaus amüsanteren Titel erhielt, der die Idee eines wissenschaftlich kalkulierbaren Systems mit dem freien Flug einer Fliege düpiert. | Kyllikki Zacharias