Marceline: „Ich finde Dich ziemlich abgeschmackt!“ – Der Himmlische Bräutigam: „Das stimmt, meine Preise sind zu gesalzen. Ich bin das Hundsgras für Paläste und nicht für Katen. So bald wie möglich ziehe ich fort und überlasse Dich meinem Zorn.“, Illustrationsvorlage für den Collagenroman „Das Karmelienmädchen“
Objektbeschreibung
Die beiden Blätter der Nationalgalerie (Schenkung Pietzsch) dienten als Vorlage für den zweiten von insgesamt drei Collagenromanen, die Ernst zwischen 1929 und 1934 schuf. Das von ihm erfundene Genre basiert auf Ausschnitten aus dem Fundus der bürgerlichen Bilderwelt des 19. Jahrhunderts. Ernst fand sie in illustrierten Zeitschriften und wissenschaftlichen Publikationen. Mit Schere und Skalpell präparierte er aus ihnen das Arsenal seiner „Romane“ heraus und führte durch gezielte Eingriffe die klischeehaften Idealvorstellungen von Familie, Religion und Vaterland ad absurdum. Indem er beispielsweise zwei Akte und drei kopfähnliche Kugeln in das Schlafgemach eines jungen Paares versetzte, sie mit einem grotesk-pathetischen Dialog versah, zog Ernst die gesamte Situation ins Lächerliche – und verzichtete bewusst darauf, ihre Rätselhaftigkeit aufzulösen. Die Quellen seiner Bild-Expeditionen verriet er nur ungern, ähnlich wie die mit bloßem Auge oftmals kaum zu erkennenden Schnittstellen. So kann man häufig – wie in „Der erste barbarische Schiffbrüchige […]“ – nur an den unterschiedlichen Papierfarben der Originalvorlagen sehen, wo der Künstler Hand angelegt hat. | Kyllikki Zacharias