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Objektbeschreibung

Dargestellt ist der sterbende Narziss in dem Augenblick, in dem er kopfüber in das geliebte Spiegelbild im Bach versinkt, das sich eben dadurch als Illusion erweist und verschwindet. Im Hintergrund läuft die Nymphe Echo, die als umgekehrter Narziss zwar zur Liebe eines anderen fähig, aber nicht in der Lage ist, zuerst das Wort an ihn zu richten; sie kann nur dessen jeweils letzte Worte wiederholen. Während der sterbende Narziss zur Pflanze gleichen Namens wird, verwandelt sich die Nymphe in eine körperlose Stimme – das Echo. Im Gegensatz zur ersten Version der Darstellung, die drei Jahre früher entstanden war (WVZ Ades/Masson 2010, 1934*33), ist im vorliegenden Gemälde weder die Narzisse zu sehen noch erscheint Echo introvertiert in einer abgeschlossenen Blase, wie es ihrer Dialogunfähigkeit entspricht, sondern frei ausschreitend, was eher zum entkörperlichten Zustand der Nymphe passt. Statt der „betäubenden“ Narzissen (wie der aus „narkein“ abgeleitete Name besagt) fallen im Vordergrund immergrüne Efeublätter auf, die auf den männlichen Antipoden des Narziss weisen: Dionysos, den efeubekrönten („kissostephanos“) Gott der rauschhaften Entgrenzung. Im Kontext des massonschen Panerotismus nimmt der Mythos von Echo und Narziss (Ovid, Metamorphosen III, 341–510) eine wichtige Stellung ein. Das Bild ist eine Hymne an den strömenden Kosmos – selbst im Modus der nicht über sich selbst hinausreichenden Liebe. | Kyllikki Zacharias