Le Chasseur
Objektbeschreibung
Neben der „automatischen Zeichnung“ hatten die Surrealisten weitere Techniken entwickelt, um die bewussten Anteile der Bildfindung zurückzudrängen, wie die Collage, die Frottage (Max Ernst), die Verwendung realer Dinge und unüblicher Materialien. Auch Sand, pur oder mit Farbe vermischt, betont den Materialcharakter der Bildzeichen und bringt diesen gewissermaßen gegen ihre Bedeutungsfunktion in Stellung. Der „Jäger“ wirkt archaisch und erinnert an prähistorische Felsmalereien. Zugleich lässt die gepunktete Konstellation oben rechts an die Plejaden denken, womit der Jäger als Orion charakterisiert wäre, der laut Mythos nach seinem Tod als Sternbild den Großen und den Kleinen Bären das Jahr über um den Himmelspol jagt. Der Jäger wird in Massons Sandbild aber nicht als Figur des klassisch-antiken Pantheons dargestellt, sondern als mythische Gestalt gibt er Anlass zur Verkörperung des Begehrens im Bild. Die Blutspur verläuft als eine Art Ariadnefaden im Lebens-Labyrinth quer durch die Darstellung vom Beutetier oben rechts bis zu den Füßen des selbst wie zerstückt erscheinenden Jägers unten links und ist insofern eng verwandt mit dem fadenhaft gezeichneten Torso in „Die Tücher“ (B UHP 94/13). In einem anderen Sandbild verschmelzen Jäger und Beute ganz („Personnage animal“, WVZ Ades/Masson 2010, 1927*21). Der dunkle Aspekt des „Dionysischen“ (Friedrich Nietzsche) nimmt breiten Raum im Werk Massons ein, wie Bildtitel wie „Trophäe“ und „Beute“, zahlreiche Kampfszenen zwischen Pferden, Vögeln und Fischen, Schlachthausszenen sowie die Gruppe der „Massaker“ (vgl. B UHP 97/13) zeigen. | Kyllikki Zacharias