Les Draps
Objektbeschreibung
Ähnlich wie im Gemälde „Der Flügel“ (B 790) ist im vorliegenden Bild der Gestaltwandel allen Seins (im Sinne des „panta rhei“ – alles fließt – des Heraklit von Ephesos) das eigentliche Thema der Malerei: Als gewöhnlicher Haushaltsgegenstad ist das Handtuch ein Stück Stoff, das dazu dient, das Feuchte zu trocknen. Im Gemälde nimmt der Faltenwurf des Stoffes (seit den mittelalterlichen Marienmänteln ein nicht unbedeutendes Mittel zur Gestaltung emotionaler Zustände) fließende Formen an. Charakteristisch für Masson ist, wie sich die Linie verselbstständigt und den Bildraum in Bewegung versetzt hat. Aus den Falten des Tuches scheint sie sich wie ein Ariadnefaden herauszuwinden, wechselt dabei gleichsam ihren Aggregatzustand und verwandelt sich in eine Art Rauch, der sich zum Himmel hin verflüchtigt. Auf dem Weg dorthin werden die rotbraunen Linien zu Beinen und schließlich zu einem männlichen Torso. Das freie Spiel der Linie ist aus der „automatischen Zeichnung“ abgeleitet. Masson, der diese surrealistische Technik maßgeblich mitentwickelt hat, wusste, dass der Prozess der „écriture automatique“ zu flüchtig ist, um direkt in Malerei ausgeführt zu werden. Dennoch adaptierte er so entstandene „unbewusste“ Zeichnungen für das in langsamer, planvoller Arbeit ausgeführte Ölbild. | Kyllikki Zacharias