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Objektbeschreibung

Mit dem Titel „Malerei“ markierte Miró die Abkehr von einer realistisch-imitativen Kunst, die er seit 1917 in einer eigenständigen Auseinandersetzung mit Kubismus (Pablo Picasso, Juan Gris), Abstraktion (Hans Arp, Paul Klee, Wassily Kandinsky) und der sich gerade formierenden Gruppe der Surrealisten gesucht hatte. Im Winter 1923/1924 war in großen programmatischen Bildern („Pastorale“, „Katalanische Landschaft“, WVZ Dupin 1999, 89, 90) ein Durchbruch gelungen: Äußerlich auf Linien, Punkte, Flecke, geometrische und organoide Grundformen reduziert, ist die Darstellung innerlich zum Bersten mit sexuellen, alchemistisch-kosmologischen und politischen Bedeutungen aufgeladen. Das vorliegende Gemälde von 1925 zeigt einen maskenhaften Kopf, der wie ein Mond vor dem fleckig-erdbraunen Grund schwebt. Er hat die Form einer Palette, wie sie schon auf dem Porträt des Künstlerfreundes Enric Christfol Ricart von 1917 erscheint (WVZ 53). Kopf, Hand und Mondsichel-Fuß hängen wie bei einem Mobile Alexander Calders als selbstständige Objekte in labilem Gleichgewicht am Gerüst einer aufrechten Achse und einer horizontalen Bogenlinie. Der schwarz-weiße Stein mit Flamme oben rechts ist ein von Miró oft gebrauchtes Bildkürzel für die vom Geist befeuerte kalte Materie. Eine schlangenartig aufwärtskriechende Linie endet in einer Ejakulation: ein schwarzer Punkt, der in sechs Strahlen kleiner weißer Punkte zerstiebt. Schon dieses Detail macht die Figur zum anarchisch-künstlerischen Bruder des „Katalanischen Bauern“ (vgl. etwa WVZ 110), den Miró als Archetypus des Schöpfers feiert, der die Erde besät und in Freiheit leben möchte. | Oliver Seifert