Femme assise
Objektbeschreibung
Die nach links gewandte weibliche Figur mit überlangem Hals sitzt als schwarze Umrisszeichnung vor einem in lichten Tönen lasierten Fond; die Farbe ballt sich in den freien Räumen rechts und links des Halses wie Himmelskörper zu einem roten und zwei blauen Pigmentflecken, die schwarzen Spritzer verdichten sich zu Füßen der Figur unten links. Das rote, von einem schwarzen Kopftuch umrahmte Gesicht der Frau ragt unnatürlich weit vor, die nach hinten abstehenden Haare und eine Art rote Feder verleihen dem Kopf etwas Vogelhaftes. Die monströs gebildeten Hände an keulenartigen Unterarmen liegen wie eigenständige Körper auf dem von einer schwarzen Schürze verdeckten Schoß und halten ein rotes phallisches Objekt umklammert. Das Motiv lässt sich in den Zusammenhang der „Bauernmahlzeit“ einordnen, ein Thema, das Miró 1925 und 1935 in zwei Gemälden ausarbeitete (WVZ Dupin 1999/2000, 117, 489). Die „Sitzende Frau“ entstand zwei Tage nach dem „Mann mit Pfeife“ (WVZ Dupin 2008, 498), der in den Gemälden von 1925 und 1935 gemeinsam mit seiner Frau am Mittagstisch sitzt. Anders als der Raucher, dessen Körper weiß eingefärbt ist, bleiben die Konturen der Sitzenden unausgefüllt, wodurch hier nicht nur Linie und Farbe, sondern auch Körper und Raum in ein paradoxal gespanntes Verhältnis treten. Ein dritter programmatischer Gegensatz ist jener, den die drei markanten vertikalen schwarzen Akzente unten und der sich zum schwebenden Flugmotiv verselbstständigende Kopf im oberen Teil des Blattes bilden. | Oliver Seifert