Schuh
Objektbeschreibung
Schuhe sind in der Kunst Gnolis ein wiederkehrendes Motiv. Er stellte sie in Zeichnungen und in mindestens acht großformatigen Gemälden dar. 1968 ließ Gnoli, der bis dahin nur in der Grafik und Malerei tätig gewesen war, fünf Objekte in Bronze gießen, die er in den 1960er-Jahren malerisch verarbeitet hatte und die hier ebenso überdimensioniert erscheinen wie auf seinen Bildern: Schuh, Büste, Hemdkragen, Krawatte und Hose. Hierfür hatte er keine Entwürfe angefertigt, sondern die Formen in der Keramikwerkstatt seiner Mutter direkt in Ton modelliert. Die Bronzen wurden von der Gießerei Bruni in Rom gefertigt. Der überlebensgroße Damenschuh auf einem Schuhkarton war, zusammen mit den anderen Plastiken, eine Auftragsarbeit für Gnolis Galeristen Jan Krugier. Im Vergleich zu den Gemälden des Künstlers ist die Wirkung der Objekte als isolierte Ausschnitte des Alltags durch ihre plastische Gegenwärtigkeit im Raum gesteigert. Gnoli sagte über seine Intention: „Für mich ist der alltägliche Gegenstand selbst, vergrößert durch die ihm geschenkte Aufmerksamkeit, wichtiger, schöner und schrecklicher, als jede Erfindung und Phantasie ihn hätten machen können. Er sagt mir mehr über mich selbst als irgend etwas anderes, erfüllt mich mit Furcht, Ekel und Entzücken.“ (zit. nach: Annette Meyer zu Eisen, Domenico Gnoli. 1933–1970. Gemälde Skulpturen Zeichnungen Druckgraphik, Ausst.-Kat., Bremen, 1981, o.S.) Gnoli starb 1970 auf dem Höhepunkt seines Schaffens. | Francisca Cruz