Ohne Titel
Objektbeschreibung
1929, als der Surrealismus in einer großen Krise steckte, schlug sich Tanguy auf die Seite des Wortführers der Bewegung, André Breton, und brach mit seinen früheren Freunden, die diesem gegenüber eine größere eigene Freiheit einforderten. 1930 unternahm Tanguy eine Reise nach Nordafrika. Es folgten Jahre großer Armut, erst 1935 begannen sich mit einer Ausstellungsbeteiligung in den USA finanzielle Erfolge abzuzeichnen. Die seit der ersten Hälfte der 1930er-Jahre entstandenen Gemälde – wie „Ohne Titel“ und „Ohne Titel (Einige Herren)“ (beide Nationalgalerie, Schenkung Pietzsch) – spiegeln diese Situation: In einsamen, sonderbar glatten und farblich changierenden Wüsteneien tummeln sich semiabstrakte Wesen. Anders als in den frühen Gemälden (vgl. „Ohne Titel [Surrealistische Komposition]“, ebd.) schweben sie nicht mehr in der Luft, sondern stehen, wie an den starken Schlagschatten zu erkennen ist, fest auf dem Boden. Ein Übergang von der Erde zum Himmel ist kaum zu erkennen. Das paradoxe Spiel zwischen glasklar umrissenen Formen und der grenzenlosen Vagheit des Raumes entwickelte sich zu einer Grundkomponente der bildnerischen Sprache des Künstlers. | Kyllikki Zacharias