Ohne Titel
Objektbeschreibung
Tanguy gehörte 1939 zu den ersten Surrealisten, die auf der Flucht vor dem sich in Europa durch Krieg und Okkupation ausbreitenden Nationalsozialismus in die USA emigrierten. Mit der amerikanischen Malerin Kay Sage, seiner späteren Ehefrau, ließ er sich zunächst in Woodbury, Connecticut, nieder, wo er bis zu seinem frühen Lebensende blieb. Einem seiner selten gegebenen Interviews zufolge haben die neuen Umstände so gut wie keine Spuren im Werk des Künstlers hinterlassen – allenfalls eine farbliche Intensivierung und das Gefühl einer größeren Weite könne er selbst feststellen (Yves Tanguy. Retrospektive 1925–1955, Ausst.-Kat. Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 1982, S. 112). Gleichwohl lassen sich noch andere Veränderungen erkennen: Die zuvor eher natürlich wirkenden Bildgegenstände nahmen nun einen technoiden und künstlichen Charakter an; frühere embryonale, in Wandlung begriffene Formen (vgl. etwa „Ohne Titel [Einige Herren]“) machten einer endzeitlichen Stimmung Platz. So zeigt das 1942, während in Europa der Zweite Weltkriegt tobte, geschaffene Gemälde „Die Unterwarteten II“ im Vordergrund einen metallisch wirkenden, krallenartig spitzen Gegenstand; in der ein Jahr später entstandenen Gouache „Ohne Titel“ (alle Nationalgalerie, Schenkung Pietzsch) tauchen im Hintergrund eckige Formen auf, die an Kriegsruinen erinnern. | Kyllikki Zacharias