Ohne Titel / Surrealistische Komposition
Objektbeschreibung
Während des Militärdienstes hatte Tanguy 1918/1919 den späteren Dichter und Regisseur Jacques Prévert kennengelernt. 1924 bezogen beide mit einem weiteren Freund ein winziges Häuschen in Paris, das zu einem beliebten Treffpunkt der Surrealisten wurde. Hier begann Tanguy zu zeichnen und zu malen. Nach ersten neusachlichen Versuchen (1924 hatte er Arbeiten von George Grosz gesehen) begann der Autodidakt eigene bildnerische Formen zu entwickeln. Viele von ihnen erinnern an die bretonische Heimat des Künstlers, an die raue Küstenregion ebenso wie an ihre archaische Frühkultur. So lässt auch das vorliegende Gemälde an eine Meereslandschaft denken, wobei nicht zu klären ist, ob es sich dabei um eine Situation unter Wasser oder an Land handelt, in der sich die schwebenden Gebilde noch in einer Art Embryonalstadium, einem geheimnisvollen Modus des Möglichen befinden. Im selben Jahr, 1927, illustrierte Tanguy den Gedichtband seines Surrealisten-Freundes Benjamin Péret: „Dormir, dormir dans les pierres“ (In den Steinen schlafen; Éditions surréalistes, Paris), der ähnliche Gefilde evoziert. | Kyllikki Zacharias