Monument dans un désert
Objektbeschreibung
Im März 1941 reiste Masson mit seiner Familie in die USA aus, nachdem er vor den nach Paris vordringenden deutschen Truppen nach Südfrankreich geflohen war. Die Konzeption der Plastik „Wüstendenkmal“ geht mindestens auf das Jahr 1939 zurück, als ein Gemälde desselben Motivs entstand (WVZ Ades/Masson 2010, 1939/1941*4). Das Grundprinzip einer teils menschlichen, teils tierischen, teils stuhlhaften Figur war schon 1937 aufgetaucht („Chambre céleste“, WVZ 1937*28) und in dem Schlüsselwerk „Le Labyrinthe“ (WVZ 1938*8) kulminiert, in dem eine solche metamorphotische Figur als Minotaurus gestaltet ist. Das „Wüstendenkmal“ variiert diesen Gedanken. Aus der Plinthe erhebt sich eine sitzende Figur. Statt eines Kopfes hat das Wesen eine liegende 8 – das Unendlichkeitszeichen. Aus der Seite des Leibes, der mit einer markanten Ritzung versehen ist, die von einer negativen Pyramide im Schoß zu einer spiraligen Glyphe auf der Brust führt, entspringt ein weiblicher geflügelter und durchlochter Körper mit drei Köpfen: Aus dem Hals ragen ein Schlangen- und ein Raubvogelhaupt, aus dem Unterleib ein Hahnenkopf auf phallisch langem Hals. Einerseits erinnert das an die Geburt der Eva aus der Rippe des Adam, andererseits an die etruskische Chimäre von Arezzo (Archäologisches Nationalmuseum Florenz). Massons wilde chimärische Kreation begehrt auf gegen die lebensfeindliche und kriegsgeschüttelte Wüste der technischen Moderne. Das Werk entstand in plastischer Form in den USA; 1986/1987 wurde es auf Vermittlung des Galeristen Cleto Polcina in Rom vergrößert und in Bronze gegossen. | Kyllikki Zacharias