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Objektbeschreibung

Tobeys Werk ist stark von Glauben und Spiritualität geprägt. Früh hatte sich der Künstler dem Bahaismus zugewandt, dessen Ziel die Harmonie aller Religionen ist. Auf zahlreichen Reisen durch Europa, Mexiko und den Orient folgte er von 1925 bis 1944 seiner Faszination von fremden Kulturen und Glaubensrichtungen. Dieses spirituelle Interesse schlug sich, ebenso wie das an der fernöstlichen Kalligrafie, in seinem Schaffen nieder, so auch in der Papierarbeit „Tod Mariae“, die ein Geflecht vornehmlich weißer, aber auch brauner und roter Linien bestimmt. Rechts unten deutet sich in dem zunächst undurchdringbar wirkenden Gefüge eine Beweinung an. Auch auf der übrigen Fläche lassen sich in den Strichen Gegenstände erahnen, die nicht zuletzt durch den Titel entschlüsselbar erscheinen, doch letztlich in Abstraktion aufgehen. Mitte der 1930er-Jahre hatte Tobey mit seinen „white writings“ seinen individuellen Stil gefunden. Die skripturalen Muster aus sich verdichtenden oder durchdringenden weißen Linien waren für ihn eine stilisierte Betrachtung der Beziehungen zwischen Mensch, Gott und Natur. Seine oft bis zur Unkenntlichkeit überlagerten Linien fungierten für ihn als Echo der Energie und des Rhythmus des Menschen und der Inspiration. Dabei war er – wie viele Künstlerkollegen – fasziniert von den „automatischen“, unbewussten Techniken, die der Surrealismus in die Kunst eingeführt hatte. Tobey selbst sagte zu seinen Arbeiten: „Mein Werk entwickelte sich, glaube ich, mehr unbewußt als bewußt. Ich arbeite nicht mit intellektuellen Ableitungen. Mein Werk ist inneres Betrachten“ (zit. nach Mark Tobey, Ausst.-Kat., Düsseldorf, 1966, o. S.). | Maike Steinkamp