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Ohne Titel (Cadavre Exquis)


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Objektbeschreibung

Gemeinschaftsspiele waren eine feste Einrichtung im Kreis der sich Anfang der 1920er-Jahre um Breton gruppierenden Surrealisten. Als mutwillige Provokation des Zufalls sollten sie das assoziative, typisch surrealistische Denken befördern. Eines der frühesten und beliebtesten Spiele war der „Köstliche Leichnam“. Im „Kleinen Lexikon des Surrealismus“, das 1938 anlässlich der ersten großen Surrealismus-Ausstellung in Paris erschien, heißt es: „CADAVRE EXQUIS (Köstlicher Leichnam) – Spiel mit gefaltetem Papier, in dem es darum geht, einen Satz oder eine Zeichnung durch mehrere Personen konstruieren zu lassen, ohne dass ein Mitspieler von der jeweils vorhergehenden Mitarbeit Kenntnis erlangen kann“ (André Breton und Paul Éluard, Dictionnaire abrégé du surréalisme, Paris 1938). Das klassisch gewordene Beispiel, das dem Spiel seinen Namen gab, bildet den ersten Teil eines auf diese Weise gewonnenen Satzes: „Le cadavre-exquis-boira-le-vin-nouveau“ (Der köstliche-Leichnam-wird-den-neuen-Wein-trinken). Der vierteilige „Leichnam“ von Breton, Tzara, Éluard und Hugo („Cadavre exquis“, 1931/1932, vgl. auch das gleichnamige Werk von 1930 in der Sammlung der Nationalgalerie, Schenkung Pietzsch), mit Buntstift auf geheimnisvoll schwarzem Papier gezeichnet, fördert eine spannungsreiche Assoziationskette zutage, die vom Animalischen (Krallen mit Schwimmhäuten) in den Bereich des Geistigen führt, wobei die Brille des Gelehrten zugleich an Breton selbst erinnert, von dem berichtet wird, er habe anfangs, nur um Aufmerksamkeit zu erregen, eine grüne Brille getragen. | Kyllikki Zacharias