Echú
Objektbeschreibung
Der auf Kuba geborene Lam war 1923 zum Kunststudium nach Madrid gegangen, wo er bis zu seinem Umzug nach Paris im Jahr 1938 lebte. In Paris traf er auf Pablo Picasso, lernte den Kubismus kennen und kam in Kontakt mit den Künstlern des Surrealismus. Auch der afrikanischen und ozeanischen Kunst begegnete er dort erstmals. Aus diesen Eindrücken entwickelte Lam eine transhumane Zeichenwelt, die ab Ende der 1940er-Jahre zunehmend abstrakt wird. Wie in seinem Gemälde „Echú“ setzte Lam in dieser Zeit seine formreduzierten, ornamentalen und in hellen Farben angelegten Figuren vor einen dunklen, monochromen Hintergrund. Dabei fand er eine symbolstarke Bildsprache aus Masken, Totems und Tiergestalten, die er teilweise der afro-kubanischen Religion der Santería entlehnt hatte, in der es zu Überlagerungen von unterschiedlich gekennzeichneten Welten in immer anderen Realitäten kommt. In diesem Bild beizieht sich Lam auf die Traditionen der Yoruba sowie auch der Santería. Der französische Titel „Echú“ bezieht sich auf den Götterboten Elegguá, der den Göttern die Opfergaben der Menschen bringt, mit denen sie um Unterstützung für die Erfüllung eines günstigen Schicksals bitten. Auf Kuba wird dieser Orisha (Gott) als Kontrolleur und eine Art Beschützer aller Straßen und Ecken der Welt verehrt und gilt dort insbesondere als Wächter der Hauseingänge. Gleichzeitig ist Elegguá aber auch ein Trickbetrüger, der sich gerne asozial und zerstörerisch verhält. | Maike Steinkamp