Zwei Frauen
Objektbeschreibung
Die Italienerin Fini bewegte sich seit Mitte der 1930er-Jahre im Kreis der Surrealisten in Paris, deren offizielles Mitglied sie jedoch nie wurde. Wiederholt kritisierte sie das dogmatische Kunstverständnis und das misogyne Frauenbild des Kopfs der Gruppe, André Breton. Fini, die ihren Vornamen Leonora eigenwillig um den letzten Buchstaben verkürzte, um geschlechtsneutral zu wirken, arbeitete in ihren Werken ein alternatives weibliches Identitätsmodell heraus, womit sie den surrealistischen Bildkanon erweiterte. In "Zwei Frauen" steht eine androgyne, hochgewachsene Frau, die selbstbewusst durch eine karge, von eisschollenartigen Gebilden zersetzte Landschaft schreitet. Sie trägt ein Renaissancekostüm mit Hosen, in ihrer üppigen Haarpracht stecken brennende Kerzen. Beobachtet wird sie von einer Frau im Kleid und mit langen schwarzen Haaren, die vor einer freistehenden Tür kniend durch das Schlüsselloch späht. In mehreren Werken hat Fini zwei entgegengesetzte Frauentypen wiedergegeben, die in einer ambivalenten, zwischen Rivalität und Erotik changierenden Beziehung zueinander stehen. Bei der schwarzhaarigen Frau im vorliegenden Werk handelt es sich möglicherweise um die Malerin Leonora Carrington (1917–2011), die zur Entstehungszeit des Gemäldes die Geliebte von Max Ernst war. Fini besuchte das Paar im Sommer 1939 in Saint-Martin d’Ardèche. Spät in ihrem Leben behauptete Fini, das Bild sei nicht von ihrer Hand. | Irina Hiebert Grun