Sitzender Mann mit Gitarre
Objektbeschreibung
Der in Litauen geborene Lipchitz reiste 1909 nach Paris, wo er an der École des Beaux-Arts und an der Académie Julian studierte und in Kontakt mit den Kubisten kam. 1913 entstanden seine ersten Skulpturen, die er zunehmend in geometrische Formen zerlegte und so die kubistische Aufspaltung der Objekte konsequent in die dritte Dimension überführte. Ein frühes Beispiel dafür ist Lipchitz’ hoch aufragender „Mann mit Gitarre“ von 1915 (WVZ Wilkinson 1996, 1, 42), dessen turmartige, monumentale Gestalt sich erst durch eine Umrundung des Werkes im Raum erschließt. Anfang der 1920er-Jahre löste sich der Künstler von seinen streng kubischen Formen und fand zu einem offeneren, organischen Stil, der in der Mitte des Jahrzehnts in seine sogenannten Transparentfiguren mündete. Erste Anzeichen davon zeigen sich in dem „Sitzenden Mann mit Gitarre“ von 1922, bei dem Lipchitz die Gestalt zwar noch in massive, einzelne Formkompartimente zerlegt, diese jedoch durch Rundungen und Aushöhlungen zum Raum hin geöffnet hat. Wie schon bei seinen früheren Arbeiten spielt auch bei der vorliegenden das Thema Musik eine Rolle, war Lipchitz doch – wie viele andere Kubisten auch – ein großer Musikliebhaber und Sammler von Instrumenten. Der jüdische Bildhauer blieb bis zur Besetzung von Paris durch die Nationalsozialisten in der französischen Hauptstadt. 1941 flüchtete er in die USA, wo er bis zu seinem Lebensende wohnte. | Maike Steinkamp