Nike (Die Siegerin)
Objektbeschreibung
Im Mai 1933 hatte Breker als Stipendiat der Villa Massimo in Rom bei einem Empfang eine Rede von Propagandaminister Joseph Goebbels gehört, in der dieser für das neue nationalsozialistische Regime warb und die Künstler zur Mitarbeit ermunterte. Breker kehrte daraufhin nach Deutschland zurück und ließ sich in Berlin nieder. Dort führte er zunächst Porträts jüdischer Persönlichkeiten wie Max Liebermann oder Gottfried Bermann Fischer aus, bevor er ab 1935 auch öffentliche Aufträge erhielt. Für das Berliner Olympiagelände entwarf er die beiden über drei Meter hohen Aktfiguren „Der Zehnkämpfer“ und „Die Siegerin“, die in der Pfeilervorhalle des Hauses des Deutschen Sports aufgestellt wurden. In seinen Monumentalwerken modellierte Breker zeitgenössische Hochleistungssportler (im Falle der „Siegerin“ nach der Speerwerferin Tilly Fleischer [1911–2005]) mit Blick auf Vorbilder der Antike. Auf diese Weise führte er das nationalsozialistische Körperideal propagandistisch vor Augen. Wesentlich natürlicher wirkt die kleinere Fassung der „Siegerin“, die Breker als „Nike“ bezeichnete. Ihre Oberfläche ist weniger geglättet, die linke Hand stärker geöffnet, Zöpfe und ein um die Hüfte geschlungenes langes Tuch sind zu dem Palmwedel in der rechten Hand hinzugekommen. Robert Kisch, Architekt der Heeresbauverwaltung, kaufte die Figur 1939 in Brekers Berliner Atelier. Die runde Plinthe wurde für die Aufstellung auf einem abgerundeten Wohnzimmertischchen angefertigt. | Dieter Scholz