Komposition
Objektbeschreibung
Nur für eine kurze Zeit, im Anschluss an seine Reise nach Nordafrika 1930, hatte Tanguy Vorzeichnungen für seine Gemälde verwendet. Er kam davon wieder ab, weil ihm beim anschließenden Malen das Moment der Überraschung fehlte (Yves Tanguy. Retrospektive 1925–1955, Ausst.-Kat. Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 1982, S. 117). Alle anderen Zeichnungen sind ausnahmslos als eigenständige Werke anzusehen, auch dann, wenn sie als Illustrationen für Publikationen der Freunde des Künstlers verwendet wurden. Neben einer kleinen Anzahl von Druckgrafiken arbeitete Tanguy vor allem mit Tuschfeder, einem Medium, welches es ihm erlaubte, die von ihm ersonnenen Formen klar zu umreißen. Das vorliegende Blatt lässt einerseits vage humanoide Wesen erkennen – die obere Form ähnelt dem Kopf einer Schneiderpuppe, wie ihn der von den Surrealisten verehrte Giorgio de Chirico in die Malerei eingeführt hatte (vgl. „Der große Metaphysiker“, B 770) –; andererseits erinnern die spitz zulaufenden Formen im unteren Bereich an Gemälde, die Tanguy seit seiner Emigration in die USA malte (vgl. B UHP 154/13). | Kyllikki Zacharias