Objektbeschreibung
Das vorliegende Exemplar eines boxresonierten Lamellophons aus Ruanda, unter der Bezeichnung "ikembe", wurde mit Sicherheit im Touristenhandel gekauft und von keinem Musiker gespielt. Die Hersteller kopierten auch nur optisch das Modell einer "ikembe", alle wesentlichen identifizierenden Merkmale sind vorhanden: der U-förmige Steg, der Druckbalken, der hölzerne Rückenpolster, acht Lamellen aus Fahradspeichen, die Rasselringe um die Lamellen geschlungen, die charakteristische Form des Resonators mit dem Ausschnitt; ja sogar auf die beiden Resonanzlöcher, eines auf der Hinterseite, eines auf der dem Musiker zugewandten Schmalseite, hat der Hersteller nicht verzichtet.
Alles wurde genau kopiert, aber als Musikinstrument ist das Exemplar nicht brauchbar; aus verschiedenen Gründen: die Lamellen sind nicht sorgfältig genug gearbeitet, der Resonator ist im Gegensatz zur Herstellungstechnik der Experten nicht aus einem Sück ausgehöhlt, sondern - im vorliegenden Fall sogar bei quergestellter Holzmaserung - aus einem Rahmen mit oberer und unterer Deckwand zusammengenagelt. Das Rückendeckloch ist nur für einen Linkshänder spielbar, es befindet sich im falschen Feld des Rückens, ist daher für den mittleren Zeigefinger der linken Hand nicht erreichbar. Klanglich ist es als Vibratoloch wirkungslos.
Das Holz des zusammengenagelten Resonators ist mit schwarzer Schuhputzcreme eingefärbt, um dem Ganzen eine „authentische" - aus der Kunstfälscherei abgeschaute - Farbe zu geben.