Komposition in zehn Farben 000 - 999 (1)
Objektbeschreibung
Im Jahr 1964 entwickelte Bartnig seine ersten konstruktiv-konkreten Bilder. 1954–1957 hatte er an der Fachschule für angewandte Kunst in Magdeburg Bühnenmalerei studiert und war in diesem Beruf zunächst in Weimar, danach in Ost-Berlin viele Jahre tätig. Seine konstruktiven Bilder, die er systematisch aus reinen Farben und geometrischen Formen entwickelte, entstanden parallel dazu. Seit 1972 arbeitete er für seine zunehmend komplexen Bildfolgen mit dem Physiker Reinhard Koch zusammen; gemeinsam entwickelten sie einen arithmetischen Schlüssel, mit dem sich für seine abstrakten Werkgruppen sämtliche Variationen aus Form und Farbe errechnen ließen. Ab 1979 gab er diese „variablen Systeme“ zusammen mit Wissenschaftler*innen des Zentralinstituts für Informatik und Rechentechnik in Berlin-Adlershof in den sowjetischen Großcomputer BESM-6 ein. Auf diese Weise entstanden Hunderte vom Computer erstellte Grafiken, auf deren Grundlage der Maler seine Bildideen entwickelte und diese dann in Acryl auf Leinwand übersetzte. Auch die „Komposition in zehn Farben 000–999 (1)“, eine großformatige Anordnung von gelben, grünen und roten Farbverlaufsrastern, fällt unter diese analogen, jedoch computergestützt entstandenen Werke. Dabei geht es Bartnig nicht um die Illustration mathematischer Zahlenkombinationen, sondern vielmehr um die künstlerische Deutung und Visualisierung von Prinzipien und Systemen, während er zugleich den Zufall und eine persönliche Handschrift kategorisch ausschließt. | Maike Steinkamp