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Boîte-en-valise


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Objektbeschreibung

Um wie ein Handelsvertreter mit seinem Musterkoffer die eigene Kollektion von Kunstwerken stets mit sich führen zu können, entwickelte Duchamp die „Schachtel im Koffer“. Dieses Miniaturmuseum war das Resultat grundsätzlicher Überlegungen zu bildender Kunst, Künstlertum, Geschlechterrollen sowie zum Verhältnis von Original und Reproduktion. Da ihm industrielle Erzeugnisse perfekter erschienen als handgemachte Bilder, hatte Duchamp bereits 1912 die Malerei radikal infrage gestellt. Die Idee wurde wichtiger als die Ausführung. Kurz darauf veröffentlichte er eine erste Materialsammlung als Edition in fünf Pappschachteln („La Boîte de 1914“; Centre Pompidou, Paris). Diesen Ansatz nahm er 1934 wieder auf („La Boîte verte“; ebd.) und erweiterte ihn anschließend zur Holzschachtel im Lederkoffer („Boîte-en-valise“). Von ihr wurden im Januar 1941 die ersten von 20 Luxusexemplaren mit 69 verkleinerten Werkreplikaten und jeweils einem Originalkunstwerk fertiggestellt. Mitten im Krieg erhielt die Idee einer äußerlich unscheinbaren, leicht transportierbaren Werkdokumentation eine politische und existenzielle Note. Im Mai 1942 emigrierte Duchamp in die USA. Bis 1966 entstanden insgesamt 312 Exemplare in verschiedenen Serien, wobei der Koffer weggelassen, die Farbe der Stoffbespannung verändert und die Anzahl der Stücke modifiziert wurden. Das Werk wirkt wie eine Mischung aus Kinderspiel und kirchlichem Messkoffer mit tragbarem Altar. Es erweist sich aber als säkularisierte Variante zur Auseinandersetzung mit einem weltlichen Schöpfer, der als „Marcel Duchamp oder Rrose Sélavy“ (eines seiner Pseudonyme) firmiert, und dessen Hervorbringungen. | Dieter Scholz